Shopping - Neuer Freizeittrend oder Kaufsucht?
Ein Einkaufstag im Shoppingcenter als Familienausflug, Bummeln mit der besten Freundin, Shopping als Zeitvertreib. Das Einkaufsvergnügen wird auch schon unter den Jüngsten immer beliebter, führen doch auch schon Schulausflüge in riesige Einkaufstempel, die die Konsumenten der nächsten Generation locken. Doch warum gehen wir so gerne shoppen? Was löst das Einkaufsgefühl in uns aus und ist man selbst vielleicht bereits gefangen im Konsumrausch?
Einkaufen als Lebensinhalt
Waren einst der Bedarf, der Verschleiß sowie kulturelle Faktoren wie z.B. Weihnachten oder Hochzeiten die wichtigsten Gründe um einzukaufen, so spielen heute vor allem soziale Faktoren
wie "der beste Freund hat es auch" und "der Nachbar besitzt es ebenso" eine große Rolle - und wer shoppt hat einen hohen Stellenwert.
Niemals zuvor gab es so viele Möglichkeiten, Waren zu beziehen. Dank riesigen Shoppingcentern, unendlich langen Einkaufsstraßen, dem Versandhandel, dem Internet, dem Homeshopping via TV und ausgeweiteten Ladenöffnungszeiten entkommt fast niemand mehr diesem Wahn. Sommerschlussverkauf in den meisten Geschäften schon bevor der Sommer tatsächlich beginnt und in roter Schrift angepriesene Ware lässt uns im Glauben, möglichst günstig zu kaufen. Die Werbung vermittelt uns schon lange, dass "Geiz geil ist". Der Euro soll möglichst rasch über die Ladentische rollen. Dies wird auch von unserer Wirtschaft gewünscht. Immerhin liegt die Obergrenze für Spontankäufe bei mittlerweile 50 Euro. Auch wird es in unserer Gesellschaft leider mittlerweile als normal angesehen, Waren auf Pump zu kaufen. Kinder lernen kaum mehr den richtigen Umgang mit Geld - Schulden sind leider etwas Alltägliches geworden.
Im Kaufrausch
Ständig werden wir dazu verleitet, Dinge zu kaufen, die wir gar nicht brauchen. Bereits jeder Dritte ist akut kaufsuchtgefährdet und hat schon des öfteren beim Einkaufen die Kontrolle über sich selbst verloren. Tütenweise Waren werden gekauft, die zuhause dann als völlig unnütz und unpassend empfunden und Tage später dann wieder umgetauscht werden, um dafür dann wieder Neues zu erstehen. Dieses suchthafte Einkaufen ist ein ernstzunehmendes Warnzeichen und führt früher oder später in die Schuldenfalle, aus der es nur sehr schwer wieder herauszukommen ist.
Sucht beginnt dort, wo die Kontrolle aufhört. Kaufen Sie mehr als Sie sich eigentlich leisten können und machen Sie das immer wieder? Dann sind Sie höchst wahrscheinlich bereits dem Kaufrausch zum Opfer gefallen. Das Gefühl des Kaufens vermittelt uns oft Gruppenzugehörigkeit - man ist "in". Das mangelnde Selbstwertgefühl wird gestärkt und mit dem Kauf einer neuen Handtasche erhält bzw. kauft man sich Anerkennung und Respekt, die man vielleicht in einer bröckelnden Beziehung nicht erhält. In dem Moment, wo wir kaufen, übermannt uns ein tolles Gefühl, wir befinden uns in einer heilen Welt, es geht uns gut. Doch dies ist nur von kurzer Dauer.
Wie man der Sucht entfliehen kann - und sich davor schützt
Unter "Süchtige" versteht man meist nur Drogenabhängige und Alkoholiker. Aber auch beim übermäßigen Shoppen handelt es sich um eine Sucht, die behandelt gehört. Vorerst gilt es, die Sucht zu erkennen und es sich selbst auch einzugestehen. Erst dann können Sie daran etwas verändern.
Lassen Sie Einkaufen zum Ritual werden. Nehmen Sie sich einen Tag im Monat oder gar im Quartal, wo Sie in Begleitung zum Einkaufen gehen. In der restlichen Zeit kaufen Sie nur das Nötigste. Nehmen Sie wenig Geld mit und lassen Sie die Kreditkarte zuhause, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten.
Sorgen Sie für einen guten Ausgleich zwischen Job und Freizeit. Wenn Sie hier zufrieden sind, fällt es Ihnen leichter, den verlockenden Schaufensterangeboten zu widerstehen. Suchen Sie sich ein Hobby als Ausgleich, machen Sie Sport und versuchen Sie innere Ruhe zu finden.
Sprechen Sie offen mit einer vertrauten Person darüber. Dies ist oft schon der erste Weg, sich die Sucht einzugestehen. Ignorieren Sie Oberflächlichkeiten, denn wer Sie nur mag, weil Sie Markenmode tragen, der hat Ihre Freundschaft gar nicht verdient.
Haben Sie das Gefühl, es alleine nicht zu schaffen? Scheuen Sie sich keinesfalls davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Geschulte Personen werden Ihnen helfen, wieder ein kaufrauschfreies Leben führen zu können.