Hochzeitsbräuche Wer schon einmal geheiratet hat, kennt vielleicht die Nervosität und die Angst vor der Ehe. Die Angst vor dem Ungewissen, vor dem, was das Eheleben wohl mit sich bringen mag. Man gibt ein Gelübde ab, um das restliche Leben mit einem anderen Menschen zu verbringen – in guten wie auch in schlechten Zeiten. Und natürlich ist die Hoffnung groß, dass die guten Zeiten überwiegen möchten. Hochzeitsbräuche dienen dazu, diese Ängste zu nehmen, und einem jungen Ehepaar einen guten Start in die Ehe zu bescheren. Schließlich versetzt der Glaube Berge, und deshalb schenken uns Hochzeitsbräuche die nötige Zuversicht, dass die Ehe gut und lange verlaufen wird.


Foto:© Igor Negovelov
In unserer Gegend ist der Junggesellenabschied gang und gäbe. Dabei macht der zukünftige Bräutigam wenige Tage vor seiner Hochzeit mit seinen Kumpels sprichwörtlich „einen drauf“. Was der Bräutigam alles durchmachen muss an diesem Abend, hängt alleine vom Ideenreichtum seiner Freunde ab. In jedem Falle nimmt er Abschied von seinem Junggesellendasein. Es ist übrigens immer öfter üblich, dass auch die zukünftigen Bräute einen „Junggesellenabschied“ feiern.

Der Polterabend – ein sehr alter Brauch aus vorchristlicher Zeit – dient dazu, böse Geister zu vertreiben, indem man Steingut und Porzellan zerschlägt. Glas darf nicht zerschlagen werden, denn das würde dem Glauben nach Unglück bringen. Die Scherben muss das Ehepaar gemeinsam wegkehren bzw. -räumen. Traditionellerweise findet der Polterabend am Tag vor der Hochzeit statt.

Ein Symbol der Jungfräulichkeit stellt der weiße Brautschleier dar. In früheren Zeiten war es nicht unbedingt üblich, in Weiß zu heiraten. Manch eine Bauerstochter musste in der schwarzen Sonntagsgarderobe vor den Traualtar schreiten.

„Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues“ soll die Braut nach altem englischem Brauch ebenfalls mitführen am Tage ihrer Hochzeit. Das Alte steht für das bisherige Leben der Braut vor der Ehe, das Neue dient als Symbol für das beginnende Eheleben, das Geliehene steht für Freundschaft und soll der Ehe Glück bescheren, und zu guter Letzt das Blaue als Zeichen der Treue.

Die Brautentführung geschieht bereits nach der Trauung, dabei ziehen die Entführer mit der Braut von Lokal zu Lokal oder feiern in einer separaten Gaststube. Der Bräutigam muss die Braut anschließend „auslösen“, z. B. indem er die Zeche zahlt oder eine bestimmte Aufgabe löst. Dieser Brauch stammt aus dem Mittelalter und soll auf dem „Recht der ersten Nacht“ basieren.

Blumen spielten schon immer eine wichtige Rolle bei Feierlichkeiten, so auch der Brautstrauß. Der Bräutigam besorgt den Strauß und übergibt ihn vor der Kirche seiner Angebeteten. Nach den Hochzeitsfeierlichkeiten versammeln sich die unverheirateten Frauen, und die Braut wirft ihren Strauß blindlings in diese Menge. Wer den Strauß fängt, soll dann die nächste Braut werden.

Sehr oft findet das Brautpaar nach der Hochzeit sein Zuhause in einem etwas veränderten Zustand vor. Das liegt an den Streichen, mit denen gute Freunde die Wohnung verwandeln. Es gibt eine Reihe sehr beliebter Scherze, die den Humor des frisch gebackenen Paares testen sollen: So müssen manche nach den schönen, aber anstrengenden Feierlichkeiten sich mühsam durch Myriaden von Luftballons im Schlafzimmer zum Ehebett zu kämpfen. Oder versteckte Wecker, die auf nächtliche Uhrzeiten programmiert sind, stören die Hochzeitsnacht. Auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Text: © D. Reiter



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